TOKAT – Das Leben schlägt zurück

Donnerstag, 15-11     |     
18:30
Ein Dokumentarfilm von Andrea Stevens und Cornelia Schendel, D 2016, 78 Minuten
mit Hakan, Dönmez und Kerem

Jugendbanden fallen in der 90er Jahren verstärkt durch Schlagzeilen auf: Sprayer, Drogen-Verticker, Jacken-Abzieher. 20 Jahre später – was ist aus ihnen geworden?

Kerem, Dönmez und Hakan gehörten in ihrer Jugend in den 90er Jahren in Frankfurt berüchtigten Jugendbanden wie Turkish Powerboys, Lamina oder Club 77 an, die es auch in vielen anderen deutschen Städten gab. Drogenhandel, Beschaffungskriminalität, Prügeleien – ihr Ruf verbreitete sich rasant, nicht zuletzt durch die Berichterstattung in lokalen und überregionalen Medien. Dönmez: „Wir haben 10.000 Mark in einer Nacht ausgegeben, das war gar nichts“ – keiner dachte an morgen.

Seitdem sind über 20 Jahre vergangen und Kerem, Dönmez und Hakan sind erwachsen geworden. Ihre Lebenswege weisen kaum noch Parallelen auf: Kerems Gesundheit ist auf Grund seines damaligen Drogenkonsums zerstört. Er ist Frührentner. Dönmez hat sich in die Türkei abschieben lassen, ist Familienvater und hat einen guten Job gefunden. Hakan wurde in die Türkei abgeschoben, arbeitet als Feldarbeiter am Fuß des Berges Ararat und besitzt keine Staatsbürgerschaft. Damit ist er in der Türkei handlungsunfähig.

Mit TOKAT – DAS LEBEN SCHLÄGT ZURÜCK ist ein vielschichtiger Film entstanden, in dem die Ambivalenz zur „Unterwelt“ – Ablehnung und Faszination – wirkt. Es rührt an, die Männer kennenzulernen, die teilweise immer noch schwer gezeichnet von ihrer Jugend erzählen. TOKAT ist mehr als ein Film über die verlorene Jugend in Banden – er zeigt ohne jegliche Sozialträumerei, wie es ausge- hen kann. Tokat bedeutet wörtlich übersetzt „Backpfeife“.